Wichtigste Passivgeschäfte der Hypothekenbanken und Sparkassen

Welches sind die wichtigsten Passivgeschäfte der Hypothekenbanken und Sparkassen?

  1. Das Sparkassengeschäft

Die Spareinlagen sind zum überwiegenden Teil langfristige Gelder. Einzahlungen und Abhebungen halten sich im Vergleich zum Gesamtbestand der Einlagen in noch bescheidenerem Rahmen als bei den Depositen- und Einlageheften der Handelsbanken (Umschlagshäufigkeit ungefähr 0,25 X), und das Gleichgewicht zwischen Neueinlagen und Rückzügen gibt den Spareinlagen den Charakter stabiler Fremdkapitalien. Wie sich das Aktivgeschäft (Darlehen gegen Grundpfand) trotz der Langfristigkeit wegen der besonderen Sicherheit durch die niedrigen Zinsfüße auszeichnet, so sind die Spareinlagen nicht nur durch Langfristigkeit und Stabilität, sondern auch durch die verhältnismäßig niedrigen Zinsfüsse charakterisiert. Spargelder sind trotz ihrer Langfristigkeit billiger als das übrige langfristige Fremdkapital, das durch Kassenobligationen und Pfandbriefdarlehen beschafft wird. Der Einleger begnügt sich mit dem bescheidenen Zinsfuß mit Rücksicht auf den besonderen Schutz, der den Spareinlagen gewährt wird. Spareinlagen genießen nach Bankengesetz bis zum Betrag von Fr. 5000.— je Sparheft ein Konkursprivileg in der dritten Klasse, sofern die Einlagen nicht durch Staatsgarantie (Kantonalbanken) gesichert sind. Überdies sind die Kantone ermächtigt, auf dem Gesetzgebungswege für Spareinlagen bis zum Betrag von Fr. 5000.— ein gesetzliches Pfandrecht zu schaffen. In den Kantonen, die von dieser Möglichkeit Gebrauch gemacht haben, genießen die Einleger von Gesetzes wegen ein Pfandrecht an den Aktiven der Bank (Hypothekartitel und andere Wertschriften), ohne dass das Pfand auf Grund eines besonderen Pfandvertrages dem Gläubiger (Sparer) übergeben werden müßte, wie dies sonst nach der sachenrechtlichen Vorschrift des ZGB als unerlässliche Voraussetzung für die Bestellung eines Faustpfandrechts verlangt wird. Dem Schutz der Spareinlagen dient auch die gesetzliche Vorschrift, wonach Gelder unter dem Namen „Spareinlagen“ nur von solchen Banken entgegengenommen werden dürfen, die öffentlich Rechnung ablegen.        ‚

  1. Die Ausgabe von Kassenobligationen

Als Mittel zur Beschaffung verhältnismäßig langfristiger Fremdkapitalien eignet sich die Kassenobligation besonders für die Finanzierung des langfristigen Aktivgeschäfts der Hypothekenbanken. In weit stärkerem Masse als bei den Spargeldern lässt sich durch die Manipulation des Zinsfußes der Zufluss von Geldern entsprechend dem durch das Aktivgeschäft bedingten Kapitalbedarf regulieren. Während das Sparkassengeschäft gewissermaßen als die Finanzierungsgrundlage des Hypothekargeschäfts zu betrachten ist, dienen die Kassenobligationengelder mehr der Ergänzung und Regulierung.

  1. Die Pfandbriefdarlehen

Spargelder und Kassenobligationen haben trotz ihrer ausreichenden Langfristigkeit den Nachteil, dass sie auf Schwankungen der Zinssätze auf dem Geld- und Kapitalmarkt empfindlich sind. In Zeiten steigender Zinssätze müssen sogar im Sparkassengeschäft, wo doch der Einleger in erster Linie auf die besondere Sicherheit und erst an zweiter Steile auf den Ertrag Wert legt, die Zinsfüße erhöht werden, weil sonst grössere Teile der Spargelder eine besser verzinsliche Anlage suchen und vor allem die Abgänge nicht mehr im vollen Umfange durch Neueinlagen ersetzt warden. ln noch stärkerem Masse zeigt sich die Abhängigkeit von den Bewegungen der Zinssätze auf dem Geld- und Kapitalmarkt bei den Kassenobligationen. Um die zur Rückzahlung fälligen Gelder ersetzen zu können, müssen die neuen Kassenobligationen zu den inzwischen veränderten Zinssätzen ausgegeben werden. Solche kurzfristige Veränderungen der Passivzinsen haben die entsprechenden Rückwirkungen auf das Aktivgeschäft. Bei keinem andern Aktivgeschäft wirken sich häufige Änderungen der Zinssätze so nachteilig aus wie im Hypothekargeschäft. Hier sind Zinsfußschwankungen wegen ihrer Rückwirkungen auf den Hypothekarschuldner (Beunruhigung des Wohnungs- und Liegenschaftenmarktes) besonders unerwünscht. So entstand das Bedürfnis, ein Finanzierungsmittel zu schaffen, das allen Anforderungen des Aktivgeschäfts: Langfristigkeit, Billigkeit und Stabilität der Zinssätze besser entspricht als Spargelder und Kassenobligationen. Zu diesem Zwecke wurde der Pfandbrief geschaffen.


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