Termingeschäfte

Termingeschäfte: Abschluss und Erfüllung liegen zeitlich mehr oder weniger auseinander. Termingeschäfte werden in der Regel zur Lieferung und Bezahlung auf Ende (Ultimo) des laufenden und vom 15. an auf das Ende des nächsten Monats abgeschlossen und im Kursblatt durch das Zeichen✝bzw. ✝✝hinter der Kurszahl gekennzeichnet. Seltener sind Mediogeschäfte, das heisst auf Mitte eines Monats abgeschlossene Geschäfte, deren Kurse mit ╪ bezeichnet sind, wenn Mitte des laufenden Monats zu erfüllen ist und mit ╪ ╪, wenn Mitte des folgenden Monats erfüllt werden muss. Als Ultimoliquidation (bzw. Medioliquidation) bezeichnet man das Ausgleichsverfahren, mit dessen Hilfe die Liquidation der Termingeschäfte (Titellieferung und Bezahlung) auf einfachste Weise durch gegenseitige Verrechnung der zu beziehenden und zu liefernden Titel so-wie Aufrechnung der hiefür zu fordernden und der zu zahlenden Beträge zentral durchgeführt wird. Termingeschäfte werden entweder als Fixgeschäfte oder als Prämiengeschäfte abgeschlossen.

1. Das Fixgeschäft ist ein fest abgeschlossenes Termingeschäft. Die Erfüllung kann zwar prolongiert, hinausgeschoben werden; einmal aber müssen die Titel geliefert und bezahlt werden. Das Fixgeschäft ist entweder Anlagegeschäft (auch Effektivgeschäft genannt) oder Spekulationsgeschäft, das auch als Differenzgeschäft bezeichnet wird.

a) Ein Anlagegeschäft oder Effektivgeschäft liegt vor, wenn jemand des Zins- oder Dividendenertrages wegen Kapital in Wertpapieren anlegen oder einen Titelbesitz in Barmittel zurückverwandeln will. Für das Anlagegeschäft kommt sowohl das Kassageschäft als auch das Termingeschäft in Frage, letzteres zum Beispiel dann, wenn man sich für ein später verfügbares Kapital der günstigen Kursverhältnisse wegen jetzt schon eindecken will oder wenn für eine zu liquidierende Kapitalanlage in Wertpapieren der Kurse wegen das Termingeschäft günstiger ist als das Kassageschäft. In der Regel aber wird man sich für die Bildung oder die Liquidierung einer Kapitalanlage des Kassageschäftes bedienen.

b) Ein Spekulationsgeschäft oder Differenzgeschäft liegt vor, wenn lediglich die Ausnützung zeitlicher Kursdifferenzen (die Ausnützung örtlicher Kursdifferenzen heisst Arbitrage) beabsichtigt wird. Für den Spekulanten sind Wertpapiere nicht Anlage-, sondern Spekulationsobjekt. Er erwirbt Effekten nicht des Zins- oder Dividendenertrages wegen, sondern mit Rücksicht auf den Kursgewinn. Grundsätzlich lässt sich auch mit Hilfe des Kassageschäftes spekulieren; Wertpapiere werden in einem Kassageschäft erworben und bei der eingetretenen Kurssteigerung in einem Kassageschäft veräussert, oder der Spekulant verkauft in einem Kassageschäft seine Wertpapiere in der Erwartung, dieselben Papiere später zu einem günstigeren Kurse in einem Kassageschäft zurückkaufen zu können. In beiden Fällen erfordert die Spekulation mit Hilfe des Kassageschäftes den Einsatz von Kapital. Anders verhält es sich mit dem Termingeschäft, das die Spekulation ohne den Einsatz grösserer Mittel erlaubt. Das zeitliche Auseinanderfallen von Abschluss und Erfüllung beim Termingeschäft ermöglicht ohne namhaften Kapitaleinsatz einerseits die Spekulation à la hausse, das heisst den Terminkauf von Wertpapieren, die man gar nie übernehmen, sondern kurz vor dem Erfüllungstag in einem Kassageschäft zu dem inzwischen gestiegenen Kurse weiterverkaufen will, und anderseits die Spekulation à la baisse, das heisst den Terminverkauf von Wertpapieren, die man im Momente des Geschäftsabschlusses noch gar nicht besitzt (Verkauf à découvert), in der Erwartung, vor dem Erfüllungstage diese Wertpapiere zu einem tieferen Kurse in einem Kassageschäft erwerben zu können.

Wenn die erwartete Kursbewegung bis zum Erfüllungstage nicht eintritt, kann die Spekulation nicht mit Gewinn realisiert, liquidiert werden. Glaubt der Spekulant, dass die von ihm erwünschte Kursbewegung im Laufe des folgenden Monats eintreten werde, so wird er mit einem Prolongationsgeschäft sein Engagement prolongieren, das heißt die Liquidation seines Spekulationsgeschäftes um einen Monat hinausschieben. Eine Prolongation ohne den Einsatz eigener Mittel ist mit Hilfe des Reportgeschäftes möglich.

Das Reportgeschäft bei der Haussespekulation besteht darin, dass eine Bank bei der Ultimoliquidation für den Spekulanten (Haussier) die Titel bezieht und bezahlt mit der Verpflichtung für den Haussier, einen Monat später die Titel der Bank zu dem von ihr bezahlten Kurs zuzüglich Zinsen abzunehmen. Wirtschaftlich gesehen, handelt es sich für die Bank um ein aktives Kreditgeschäft. Sie gewährt dem Haussier Kredit durch Bezahlung der Titel, und sie bekommt diese Titel als Sicherheit. Vom gewöhnlichen Lombardgeschäft unterscheidet sich das Reportgeschäft dadurch, dass die Bank die Titel zum vollen Kurswert belehnt. Rechtlich gesehen, liegt eine Verbindung von Kassenkauf und Terminverkauf für das gleiche Papier und unter denselben Parteien vor.

Das Reportgeschäft bei der Baissespekulation besteht darin, dass die intervenierende Bank bei der Ultimoliquidation die vom Baissier auf Termin à découvert verkauften Titel liefert und dafür den Kaufpreis einzieht. Der Baissier verpflichtet sich, der Bank auf die nächste Ultimoliquidation die gleiche Zahl der betreffenden Titelgattung zurückzugeben. Bei der „glatten“ Geschäftsabwicklung erhält der Baissier von der Bank den von ihr bei der Titellieferung eingenommenen Betrag; die Bank begnügt sich diesfalls mit der zinsfreien Benützung dieses Geldes während eines Monats. Nimmt die Bank die Titel zu einem niedrigeren Kurs zurück, so wird die Differenz als Deport bezeichnet.

2. Das Prämiengeschäft ist ein Termingeschäft, bei dem eine der beiden Parteien sich das Recht ausbedingt, nach ihrem Belieben bis zu einem bestimmten Tag vor dem Erfüllungstermin gegen Entrichtung einer als Prämie oder Reugeld bezeichneten Vergütung einseitig vom Geschäft zurückzutreten. Der Kontrahent, der die Wahl hat zwischen der eigentlichen Erfüllung und der Prämienzahlung wird als Wähler, der andere Teil als Stillhafter bezeichnet. Der Wähler muss sich am Prämienerklärungstage (in Zürich der viertletzte Börsentag des Monats) entscheiden. Das Prämiengeschäft ist ein Termingeschäft mit beschränktem Risiko.

a) Das Vorprämiengeschäft oder Prämiengeschäft auf Nehmen. Hier erwirbt der Haussier Titel auf Termin mit dem Recht, am Prämienerklärungstage die Stücke zu fordern oder gegen Bezahlung der Prämie (auch Dont genannt) vom Geschäft zurückzutreten. Für dieses Wahlrecht muss der Wähler einen höheren als den Tageskurs bezahlen. Der Unterschied heisst Ecart; er sollte normalerweise mit der Prämie übereinstimmen. Hat der Wähler bei einem Tageskurs von 870 eine Vorprämie zum Kurse vom 878 dt 10✝(dt = dont) abgeschlossen, so beträgt der Ecart 8 und die Prämie 10. Um sich am Prämienerklärungstage zu entscheiden, vergleicht der Wähler die Prämienbasis, die man durch Abzug der Prämie vom Abschlusskurs erhält (878-10=868) mit dem als Stichkurs bezeichneten Tageskurs am Prämienerklärungstage. Solange der Stichkurs über der Prämienbasis liegt, entscheidet er sich für Bezug, liegt der Stichkurs darunter, so entschließt er sich für Prämienzahlung (Abandon). Liegt der Stichkurs zwischen Abschlusskurs und Prämienbasis, so erleidet der Wähler einen Verlust, der aber kleiner ist als die Prämie. Gewinn erzielt er erst, wenn der Stichkurs über dem Abschlusskurs steht.

b) Das Rückprämiengeschäft oder Prämiengeschäft auf Geben. Hier hat der Verkäufer (Baissier) als Prämienzahler die Wahl zu liefern oder gegen Bezahlung der Prämie zurückzutreten. Der Wähler erkauft sich dieses Recht mit einem Abschlusskurs, der unter dem Tageskurs für feste Termingeschäfte liegt. Der Unterschied heißt wiederum Ecart. Abschlusskurs plus Prämie gibt die Prämienbasis. Der Wähler entscheidet sich für Lieferung, wenn der Stichkurs unter der Basis liegt. Die Kursnotierung 862 dt R 10✝bedeutet, dass der Wähler (bei einem Tageskurs von 870) die Titel zu 862 auf Termin verkauft hat mit dem Recht, gegen Bezahlung der Prämie von 10 vorn Geschäft zurückzutreten.

c) Das Stellagegeschäft. Der Wähler erwirbt das Recht, nach seiner Wahl eine bestimmte Anzahl Titel entweder als Käufer zu beziehen oder als Verkäufer zu liefern. Rücktritt ist nicht möglich. Die Kursnotierung erfolgt entweder durch Angabe der beiden Grenzkurse (860/880) oder durch Angabe der Basis und der Spannung (870 ± 20 ✝). Basis plus halbe Spannung gibt den Kurs, zu dem der Wähler abzunehmen hat, Basis minus halbe Spannung den Kurs, zu dem er liefern darf.

d) Das Nochgeschäft verbindet ein festes Geschäft mit einem Vor- oder Rückprämiengeschäft. Beim Nochgeschäft in des Käufers Wahl hat der Käufer gegen Prämienzahlung das Recht, am Erklärungstage ausser den fest gekauften Stücken noch einmal oder noch zweimal usw. (878 X 1 ✝oder 882 X 2✝) dieselbe Stückzahl zu fordern, während beim Nochgeschäft in des Verkäufers Wahl der Verkäufer das Recht erlangt, ein oder mehrere Male hinzuzuliefern.