Kreditgeschäfte der Handelsbanken

Welches sind die übrigen von den Handelsbanken betriebenen Kreditgeschäfte?

1. Die passiven Kreditgeschäfte. Als Mittel der Kapitalbeschaffung zur Finanzierung der Aktivgeschäfte sind für eine Handelsbank von Bedeutung:

a) Die nichtkaufmännischen Depositen in laufender Rechnung, die Depositen- und Einlagehefte. Eine Handelsbank umschreibt in ihrem Reglement für Einlage- und Depositenhefte den Zweck dieser Hefte wie folgt: Die Bank „will durch ihre Depositenhefte Gelegenheit bieten, kleinere Beträge sicher und zinstragend anzulegen, insbesondere aber kleinere Eingänge aus Coupons usw. anzusammeln, bis sie zur Erwerbung solider Wertpapiere Verwendung finden können“. Im Gegensatz zu den kaufmännischen Rechnungen dienen Guthaben auf Depositenheften in der Regel nicht dem Zahlungsverkehr, sondern sind als sichere und ertragbringende Anlage gedacht. Aus diesem Grunde stehen solche Gelder der Bank viel länger zur Verfügung. Mit der Bestimmung „Der Einleger ist berechtigt, innerhalb eines Zeitraumes von je 30 Tagen je bis insgesamt Fr. 500.− ohne Kündigung zurückzuziehen; für größere Beträge ist eine Kündigung von je vier monaten erforderlich“,sichert sich die Bank eine längere Kreditdauer. Weil es sich um ziemlich langfristige Gelder handelt, die zudem wenig Arbeit verursachen, vergütet die Bank einen höheren Zins als bei den kaufmännischen Rechnungen. Gewöhnlich geben die Banken zwei Kategorien von Depositen- oder Einlageheften aus. Bei der einen Kategorie gewährt sie mehr Freizügigkeit und vergütet dafür weniger Zins; auf den andern Heften gibt sie mehr Zins bei stärkerer Beschränkung der Abhebungsmöglichkeit. Handelsbanken, die das Sparkassengeschäft nicht pflegen, dienen Einlage- und Depositenhefte als Ersatz für das Sparkassengeschäft. In viel geringerem Ausmaße als bei den kaufmännischen Rechnungen handelt es sich bei den nichtkaufmännischen Depositen in laufender Rechnung um ein kombiniertes Kredit- und Dienstleistungsgeschäft. Zahlreiche Depositenhefte ergeben sich aus den Dienstleistungsgeschäften einer Bank auf dem Gebiete des Effektenverkehrs.

b) Die Einzeldepositen sind den reinen Kreditgeschäften zuzurechnen, die ausschließlich der Beschaffung von Mitteln zur Finanzierung des Aktivgeschäftes dienen und somit als bloße Zinsdifferenzgeschäfte von Bedeutung sind. Zu ihnen gehören die Entgegennahme von Geldern auf Festgeldrechnungen („Kreditoren auf Zeit“) und die Ausgabe von Kassenobligationen. Bei den Festgeldrechnungen handelt es sich um Einlagen, meist in größeren Beträgen, die der Bank für eine bestimmte Zeit fest oder zur Rückzahlung auf Kündigung hin übergeben werden. Während der vereinbarten Zeit bzw. bis zum Ablauf der Kündigungsfrist kann der Gläubiger nicht darüber verfügen; daher die Bezeichnung „Kreditoren auf Zeit“, im Gegensatz zu den jederzeit verfügbaren „Kreditoren auf Sicht“. Der Zinsfuß ist um so höher, je länger solche Depositen gebunden sind. — Die Kassenobligationen sind im Bankgeschäft ein beliebtes Mittel zur Beschaffung langfristiger Gelder. Im Gegensatz zu den Anleihensobligationen werden sie nicht in einer großen Serie, sondern fortlaufend, nach Maßgabe des Kapitalbedarfs und der Entwicklung der Zinsfüße ausgegeben. Die Laufzeit betragt in der Regel drei bis fünf Jahre.

2. Die aktiven Kreditgeschäfte. Von besonderer Bedeutung für eine Handelsbank sind neben dem kombinierten Kreditund Dienstleistungsgeschäft, dem Kontokorrentgeschäft:

a) Das Diskontgeschäft. Im weiteren Sinne versteht man darunter den Ankauf später fällig werdender Forderungen (Wechsel, Buchforderungen, bald fällige Obligationen und Kassenscheine) unter Abzug der Zinsen für die Zeit bis zum Fälligkeitstage. Im engeren Sinne versteht man unter dem Diskontgeschäft den Ankauf von Wechseln unter Abzug des Diskonts, das heißt des Zinses für die Zeit vom Diskontierungs- bis zum Fälligkeitstage. Im Normalfall handelt es sich um Warenwechsel, die der Verkäufer einer Ware zum Einzug seiner Forderung auf den Käufer zieht und der Bank zum Diskont gibt. In diesem Falle diskontiert die Bank eine bestehende, aus dem Warengeschäft resultierende Forderung. Wird ein Wechsel nicht zum Einzug einer aus dem Warenverkehr herrührenden Forderung gezogen, sondern lediglich um mit ihm auf dem Wege der Diskontierung Geld zu beschaffen, so handelt es sich um einen Finanzwechsel. Solche Wechsel, denen kein Handelsgeschäft zugrunde liegt, deren Ausstellung lediglich der Geldbeschaffung dient, bieten im allgemeinen weniger Sicherheit als Warenwechsel, die den Ausgleich von Forderungen aus wirklichen Handelsgeschäften bezwecken. Die mit bloßem Gefälligkeitsakzept versehenen Finanzwechsel werden häufig vor Verfall durch einen neuen Wechsel ersetzt, dessen Diskontierung dann zur Einlösung des fällig werdenden Wechsels dient. Solche Wechsel werden nach Möglichkeit — sie sind nicht immer als Finanzwechsel erkennbar — von der Diskontierung ausgeschlossen. Anders verhält es sich mit den Finanzakzepten von Banken. Solche Finanzwechsel stützen sich auf einen von der Bank einem kreditwürdigen Kunden eingeräumten Akzeptkredit. Die Bank akzeptiert die von ihrem Kunden auf sie gezogenen Wechsel. Der Bankkunde kann den mit einem Bankakzept versehenen Wechsel zum niedrigsten Satz diskontieren lassen. Bei einer Akzeptprovision von ¼ % für drei Monate kommt dieser Kredit um nur 1 % höher als der Diskontsatz. Weil der Bankkunde vor Verfall den Wechselbetrag der Bank zur Verfügung stellt, investiert die Bank keine Mittel. Es handelt sich in diesem Fall um indirekte Kreditgewährung. Der mit Bankakzept versehene Finanzwechsel eignet sich auch, um zusätzliches Betriebskapital auf längere Zeit zu beschaffen. In einem solchen Fall werden jeweils die zur Deckung des umlaufenden Wechsels erforderlichen Mittel vor Verfall durch die Diskontierung eines neuen Bankakzepts verschafft; das verfallene Akzept wird mit Hilfe eines neuen Akzepts bezahlt.

b) Wertschriften und dauernde Beteiligungen. Es handelt sich fast ausschließlich um leicht realisierbare Wertpapiere (der Anteil der dauernden Beteiligungen ist bedeutungslos), vorwiegend um Obligationen, unter denen die Bundesobligationen am stärksten vertreten sind. In dem Umfange, als die durch das Passivgeschäft der Bank zufließenden Sichtgelder (Kreditoren auf Sicht) nicht im aktiven Kontokorrentgeschäft Verwendung finden können, bilden solche Wertschriften eine den Liquiditätsgrundsätzen entsprechende Anlagemöglichkeit. Grundsätzlich ist die Anlage in Wertpapieren den reinen Kreditgeschäften zuzurechnen. Der Vergleich zwischen Bestand und Umsatz für den Aktivposten Wertschriften läßt aber den Schluß zu, daß das Wertschriftenportefeuille zu einem nicht geringen Teil auf die Dienstleistungsgeschäfte auf dem Gebiete des Effektenverkehrs zurückzuführen ist.

Die meisten Posten der Aktivseite einer Handelsbankbilanz ergeben sich aus dem kombinierten Kredit- und Dienstleistungsgeschäft, also aus dem Kontokorrentgeschäft. Dies gilt in erster Linie für die Kontokorrentdebitoren, aber auch für die festen Vorschüsse und Darlehen. Das Wechselportefeuille ist vorwiegend auf das im Rahmen des aktiven und passiven Kontokorrentverkehrs gepflegte Diskontgeschäft zurückzuführen. Sehr oft enthält es aber auch namhafte Posten von niedrig verzinslichen Schatzanweisungen und Reskriptionen des Bundes und der Bundesbahnen, mit deren Hilfe eine Handelsbank mangels anderer Anlagemöglichkeit brachliegende Mittel liquid anlegt. Sogar die im Rahmen des gesamten Aktivgeschäftes unbedeutenden Hypothekaranlagen sind dem kombinierten Kredit- und Dienstleistungsgeschäft zuzurechnen, weil Handelsbanken in der Regel Hypothekarkredit nur dann gewähren, wenn damit ein kaufmännischer Bankverkehr, das heißt ein Kontokorrentverkehr, verbunden ist.


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