Finanzierung des Hypothekargeschäfts durch Pfandbriefanleihen

Wie erfolgt die Finanzierung des Hypothekargeschäfts durch die Pfandbriefanleihen?

Pfandbriefe sind Inhaber- oder Namenobligationen mit langer Laufzeit, welche die Besonderheit aufweisen, dass der Gläubiger an der im Pfandregister eingetragenen Deckung (erstklassige Hypothekartitel) ein gesetzliches Pfandrecht hat, ohne dass ein besonderer Pfandvertrag und die Übergabe des Pfandes an den Gläubiger erforderlich ist. Die lange Laufzeit (mindestens 15, höchstens 40 Jahre, mit der Möglichkeit für den Pfandbriefschuldner, das Anleihen nach Ablauf von 10 Jahren mit einer Kündigungsfrist von drei Monaten auf einen Zinstermin zurückzuzahlen) gewährleistet auch die Stabilität des Zinses, weil diese Gelder nicht nur praktisch, sondern auch formell langfristig sind. Nun verlangt aber das Aktivgeschäft, das sich trotz seiner Langfristigkeit durch niedrige Zinsfüße auszeichnet, dass im Passivgeschäft langfristiges Geld zu stabilen und vor allem niedrigen Zinssätzen beschafft werde. Weil Langfristigkeit an sich höhere Zinssätze rechtfertigen würde, ist ein niedriger Zinsfuß nur dadurch zu erreichen, dass man dem Geldgeber als Gegenleistung für den bescheidenen Ertrag eine besondere Sicherheit bietet und damit eine solche Anlage besonders für jenes Kapital interessant gestaltet, für das die Sicherheit noch wichtiger ist als der Ertrag. Als besondere Sicherheit räumt man den Gläubigern ein Pfandrecht an den mit ihrem Geld finanzierten Hypothekartiteln ein. Nach den Vorschriften des ZGB über die Errichtung eines Faustpfandes, kann aber ein Faustpfand rechtsgültig nur in der Weise errichtet werden, dass der Schuldner das Faustpfand auf Grund eines Pfandvertrages dem Gläubiger übergibt. Eine Pfandbestellung in dieser Form ist aber im vorliegenden Fall nicht möglich, weil es ganz undenkbar wäre, das die Bank jedem Geldgeber die Hypothekartitel, die sie aus seinen Mitteln finanziert hat, als Pfand übergibt. Man hat deswegen mit dem Bundesgesetz eine gesetzliche Grundlage geschaffen für eine viel einfachere Art der Pfandbestellung. An Stelle des umständlichen vertraglichen Pfandrechtes (Übergabe des Pfandgegenstandes an den Gläubiger) tritt ein gesetzliches Pfandrecht: der Gläubiger erhält von Gesetzes wegen, also ohne eine besondere vertragliche Vereinbarung, ein Pfandrecht an bestimmten Teilen der Aktiven der Hypothekenbank, ohne dass ihm das Pfand übergeben werden muss. Das Recht zur Ausgabe von Pfandbriefen ist an zwei Anstalten übertragen worden: die „Pfandbriefbank Schweizerischer Hypothekarinstitute“ und die „Pfandbriefzentrale der Schweizerischen Kantonalbanken“. Diese geben die mit dem gesetzlichen Pfandrecht ausgestatteten Pfandbriefe als Anleihensobligationen bis höchstens zum zwanzigfachen Betrage ihres Eigenkapitals in Serien heraus und stellen die in dieser Weise beschafften Mittel den Hypothekarbanken als Pfandbriefdarlehen zur Verfügung. Die Finanzierung des Hypothekarkredites mit Hilfe der Pfandbriefe lässt sich wie folgt veranschaulichen:

Hypothekarschuldner Hypothekenbank: Pfandbriefzentrale:

 

Pfanbriefgläubiger
Diverse Aktiven Spar-einlagen Diverse Aktiven Pfandbrief-anleihen
Hypothekar-anlagen Kassen-obligationen

 

Pfandbrief-darlehen an die Mit-gliedbanken
Pfandbrief-darlehen

 

Übrige Passiven

 

Eigenkapit.

 

Eigenkapit.

 

 

Die Sicherung der Pfandbriefgläubiger besteht darin, dass die Hypothekenbanken in dem Umfange, als sie von einer Pfandbriefzentrale Darlehen beanspruchen, aus ihrem Portefeuille erstklassige Hypothekartitel ausscheiden und als Pfandsicherheit für die Pfandbriefgläubiger in ein besonderes Register eintragen müssen. Zudem genießen die Pfandbriefgläubiger ein Konkursprivileg 2. Klasse. Dieses Privileg gilt nur für fehlende Deckung, nicht aber für Mindererlös aus der Verwertung der Deckung. Die Einhaltung der strengen Vorschriften über die als Pfand zugelassenen Titel (vorsichtige Schätzung der Pfandobjekte), über die Ausscheidung der Hypothekartitel und Führung des Pfandregisters wird von einem eidgenössischen Inspektor überwacht. Dem Pfandbriefgläubiger haftet somit: 1. die vorsichtig belehnte Liegenschaft des Hypothekarschuldners, 2. der Hypothekarschuldner persönlich, 3. die Hypothekarbank in ihrer Eigenschaft als Schuldnerin der Pfandbriefzentrale, 4. die Pfandbriefzentrale, die mit ihren eigenen Mitteln eine weitere Garantie bildet.


Ähnliche Artikel