Börsen

Börsen sind regelmässig abgehaltene, organisierte Markte an denen vertretbare Waren nach feststehenden Usanzen gehandelt werden, ohne dass beim Abschluss dieser Geschäfte die Waren gleichzeitig vorgezeigt, übergeben und bezahlt werden müssen.

Die Unterschiede gegenüber den anderen Marktformen, dem gewöhnlichen Warenmarkt und der Mustermesse, ergeben sich aus der Vertretbarkeit der an der Börse gehandelten Ware. Beim gewöhnlichen Warenmarkt, bei dem es sich ebenfalls um eine Zusammenkunft einer grösseren Anzahl von Verkäufern und Käufern, also um eine örtliche und zeitliche Konzentration von Angebot und Nachfrage handelt, wird die zu verkaufende Ware auf den Markt gebracht, so daß sich dort nicht nur der Abschluss des Geschäfts, sondern auch die Erfüllung, das heisst Übergabe und Bezahlung der Ware vollzieht. Im Laufe der Entwicklung wurde der gewöhnliche Warenmarkt weitgehend durch die vervollkommten Formen der Mustermesse und der Börse ersetzt. Bei vertretbarer Ware sind Geschäftsabschlüsse ebenso gut anhand von Mustern wie auf Grund der Ware selber möglich, so dass die Anwesenheit der Ware auf dem Markt überflüssig wird. Damit dient der als Mustermesse bezeichnete Markt lediglich noch dem Geschäftsabschluss (oder gar nur der Anbahnung von Geschäftsbeziehungen), die Erfüllung — Ablieferung und Bezahlung — vollzieht sich ausserhalb des Marktes. Bei einer Reihe von Welthandelsartikeln wie Baumwolle, Wolle, Metalle, Getreide, Kaffee, Zucker ist das Merkmal der Vertretbarkeit so ausgeprägt, dass der Geschäftsabschluss auf Grund von blossen Benennungen, die sich auf sogenannte Standardtypen (Qualitätstypen) beziehen, möglich ist. Die so gehandelte Ware ist typisiert; eine Typenbezeichnung bezieht sich auf einen bestimmten Qualitätstyp einer Warengattung. Ein Markt für vertretbare Ware, die weder in natura auf den Markt gebracht noch durch Muster vertreten ist, sondern nach bloßer Benennung gehandelt wird, heißt Börse. Das hervorstechendste Merkmal der Börse als Marktform ist die Vertretbarkeit der gehandelten Ware. Diese Eigenschaft tritt besonders bei den als Effekten bezeichneten Wertpapieren deutlich in Erscheinung. Bei dieser Art Ware bestimmt sich der Wert ausschließlich nach der „Qualität“ des im Wertpapier verbrieften Rechtes, weswegen hier Geschäftsabschlüsse auf Grund blosser Benennungen ebenso leicht möglich sind wie auf Grund der Ware selbst.