Bedeutung der Kreditgeschäfte

Die Geschäfte, durch welche eine Bank Gelder zur ertragbringenden Verwendung entgegennimmt, also Kredit beansprucht und damit Schuldnerin wird, bezeichnet man als passive Kreditgeschäfte oder kürzer als Passivgeschäfte, weil sie in der Bankbilanz als Schulden unter den Passiven erscheinen. Wenn die Bank Kredit gewährt und damit Gläubigerin wird, handelt es sich um aktive Kreditgeschäfte, die man auch kurz als Aktivgeschäfte bezeichnet, weil sie in der Bilanz der Bank als Forderungen auf der Aktivseite aufgeführt werden. Der Ertrag aus den Kreditgeschäften besteht im Unterschied zwischen den im Aktivgeschäft erhaltenen und den im Passivgeschäft bezahlten Zinsen. Vom Ertragsstandpunkt aus können diese Geschäfte somit auch als Zinsdifferenzgeschäfte bezeichnet werden. Das Kreditgeschäft ist stets als ein Ganzes zu beurteilen; die Entgegennahme von Geldern ist immer unter dem Gesichtspunkt ihrer Verwendungsmöglichkeit im Aktivgeschäft zu betrachten, und beim Ausleihen der Gelder muss auf die Bedingungen Rücksicht genommen werden, zu denen die Gelder im Passivgeschäft beschafft werden können. Diese gesamthafte Beurteilung des Kreditgeschäfts ist unerlässlich, denn aus dem Verhältnis zwischen Aktivgeschäften und Passivgeschäften ergeben sich die Grundprobleme des erwerbswirtschaftlichen Bankbetriebs: die Rentabilität und die Liquidität. Die Rentabilität ist im wesentlichen vom Verhältnis zwischen den Zinssätzen des Aktivgeschäfts und den Zinssätzen des Passivgeschäfts abhängig. Die Liquidität wird bestimmt durch das Gleichgewicht der Fälligkeiten bei den aktiven und passiven Kreditgeschäften.

Die Rentabilität wird um so größer sein, je niedriger die im Passivgeschäft bezahlten und je höher die im Aktivgeschäft erzielten Zinsen sind. Weil der Zinsfuß sowohl im Aktiv- als auch im Passivgeschäft mit der Kreditdauer wächst, wäre die maximale Rendite zu erzielen, indem man im Passivgeschäft die kurzfristigen Gelder zum niedrigsten Zinsfuß entgegennimmt und sie im Aktivgeschäft langfristig ausleiht, um die höchsten Aktivzinsen zu erhalten:

Zinssätze für: kurzfristiges mittelfristiges langfristiges Geld
im Passivgeschäft 1 % 2 % 3 %
im Aktivgeschäft 3 % 4 % 5 %

 

Eine solche langfristige Verwendung von kurzfristig entgegengenommenen Geldern zur Erreichung der größtmöglichen Zinsdifferenz im Interesse der Rentabilität müßte sehr bald zu Illiquidität führen, womit aber der Weiterbestand der Bankunternehmung gefährdet wäre. Der Bestand einer Bankunternehmung ist nicht nur von der Rentabilität, sondern auch von der Erhaltung der Liquidität abhängig. Darum kann eine Bank grundsätzlich keinen andern Kredit geben, als sie nimmt (Anpassung der Kreditfristen), um die Zahlungsbereitschaft aufrechtzuerhalten.


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