Unterschied von festen und veränderlichen Kosten

Was ist der Unterschied zwischen den festen und den veränderlichen Kosten?

Die Betriebstätigkeit äussert sich in einem fortlaufenden Kapitalumschlag. Das durch die Finanzie-rung beschaffte Kapital wird in Anlage- und Umlaufsvermögen umgewandelt, und durch den Umsatz erfolgt die Rückwandlung in Barmittel, die immer wieder von neuem in den Betriebsprozess eingeschaltet werden. Ein auffälliges Merkmal der Betriebstätigkeit ist also die dauernde Wiederholung des Vorganges; die ganze Unternehmungstätigkeit ist auf Wiederholung, Fortdauer programmiert.

Diese nicht auf Einmaligkeit, sondern auf dauernde Wiederholung, also auf Zeit eingestellte Betriebstätigkeit äussert sich auch in der Verursachung, in der Entstehung der Kosten. Namhafte Teile der Gesamtkosten werden nicht für eine einmalige und einzige Betriebsleistung aufgewendet, sondern, sondern für eine bestimmte Zeit und damit für eine noch unbestimmte Anzahl von in dieser Zeitspanne zu erstellenden Betriebsleistungen. Die Höhe dieser Kosten richtet sich nach der Zeitdauer, für die sie aufgewendet werden. Die Kosten sind für die Dauer dieser Zeitstrecke unveränderlich und von der Menge der in dieser Zeit erstellten Betriebsleistungen unabhängig. Dies gilt für die nach der Zeit bezahlten Gehälter und Löhne, für die Raumkosten, vor allem für die Zins- und Abschreibungskosten, aber auch für andere Kostenarten. Diese Kosten sind für die Zeitdauer, für die sie aufgewendet wurden, unveränderlich, fest und unabhängig von der Menge der in der gleichen Zeitspanne erstellten Betriebsleistungen; sie werden deshalb als feste Kosten oder fixe Kosten bezeichnet. Im Gegensatz dazu bezeichnet man die Kosten, die nicht von der Zeit, sondern von der Menge der erstellten Betriebsleistungen abhängig sind, als veränderliche Kosten oder variable Kosten.

Der in den festen Kosten zum Ausdruck kommende Vermögensverbrauch lässt sich, selbstverständlich nicht unbegrenzt, sondern nur in einem gewissen Rahmen, auf eine grössere oder kleinere Anzahl von Betriebsleistungen bzw. auf einen grösseren oder kleineren Umsatz verteilen. Je grösser die Anzahl der bei gleichen fixen Kosten erstellten Betriebsleistungen ist, desto geringer wird für eine Leistungseinheit oder Umsatzeinheit der Anteil an den fixen Kosten und damit verringert sich für die Leistungs- oder Umsatzeinheit auch der Gesamtkostenbetrag. Und je geringer der Gesamtkostenbetrag einer Leistungseinheit ist, desto grösser ist auf die Einheit bezogen, der Überschuss des Verkaufserlöses über die Kosten.

Ein Beispiel: Werden in einem bestimmten Zeitraum Fr. 100’000.— feste Kosten aufgewendet und erzielt man in der gleichen Zeitspanne einen Umsatz von Fr. 1 Million, so entfalten auf je Fr. 100.- Umsatz, Fr. 10.- feste Kosten. Lässt aber der Markt mit den von ihm zugestandenen Verkaufspreisen in der Kalkulation nur einen Anteil an festen Kosten von Fr. 5.- zu, so heisst das, dass entweder bei unverändertem Umsatz der Gesamtbetrag an fixen Kosten auf die Hälfte reduziert oder bei gleichen fixen Kosten der Umsatz verdoppelt werden muss. Diese Beziehung zwischen festen Kosten und Umsatz erklärt die Tendenz, bei einem gegebenen Gesamtaufwand von fixen Kosten den Umsatz nach Möglichkeit zu steigern oder bei einem gegebenen Umsatz mit einem möglichst geringen Gesamtbetrag von fixen Kosten aus zu kommen.

Für jede Unternehmung besteht das Problem, den Betrieb mit möglichst wenig fixen Kosten zu führen und mit dem gegebenen Mindestbetrag von fixen Kosten einen möglichst grossen Umsatz zu erzielen, damit die Umsatzeinheit mit einem möglichst geringen Anteil an fixen Kosten belastet wird. Nach dem Anteil der fixen Kosten an den Gesamtkosten und nach der Möglichkeit, bei verringertem Umsatz die fixen Kosten abzubauen, lassen sich zwei Betriebstypen mit den (nicht sehr passenden) Bezeichnungen „Umsatzbetriebe“ und „Anlagebetriebe“ unterscheiden.

1. Zu den Umsatzbetrieben rechnen wir alle jene Betriebe, die keine nennenswerten Anlagen haben. Das Kapital arbeitet im Betriebe in der Form des verhältnismäßig leicht realisierbaren Umlaufsvermögens; das Kapital wird dauernd um-gesetzt, es dient größtenteils dem eigentlichen Umsatz. Der Hauptteil der Kosten besteht aus variablen Kosten, weil es sich vorwiegend um Beschaffungs- und Vertriebskosten handelt. Soweit fixe Kosten entstehen, werden sie jeweils für verhältnismäßig kurze Perioden aufgewendet, so die Personalkosten, die Raumkosten und die Kapitalzinskosten für das vorwiegend kurzfristige Fremdkapital. In diesen Betrieben können die fixen Kosten in absehbarer Zeit wenigstens zu einem Teil abgebaut werden, falls ein dauernder Umsatzrückgang dies erforderlich macht. Die Forderung nach wirtschaftlicher Betriebsführung bedeutet für solche Umsatzbetriebe, dass sie mit einem gegebenen Umlaufsvermögen und den gegebenen fixen Kosten den grösst möglichen Umsatz erzielen. Die auf ein Jahr bezogenen Kapitalkosten bleiben unverändert, ob nun in dieser Zeit das Kapital zweimal oder viermal umgeschlagen wird. Viermaliger Kapitalumschlag bedeutet aber, dass sich die fixen Kapitalkosten auf einen doppelt so grossen Umsatz verteilen als bei zweimaligem Kapitalumschlag, dass also die Umsatzeinheit mit nur halb soviel fixen Kosten belastet ist und dass damit die Gewinnmarge um diese Kostenersparnis grösser wird. Wirtschaftliche Betriebsführung verlangt im Umsatzbetrieb Beschleunigung des Kapitalumschlags oder anders ausgedrückt, Umsatzbeschleunigung, Steigerung der Umschlagshäufigkeit.

2. Zu den Anlagebetrieben gehören die Betriebe, bei denen wesentliche Teile des Kapitals in Anlagen investiert sind. Das in Anlagen investierte Kapital ist für lange Zeit gebunden und kann auch bei einem dauernden, starken Umsatzrückgang nicht abgebaut werden. Dementsprechend müssen Anlagebetriebe auf lange Zeit hinaus mit hohen fixen Kosten, verursacht durch Unterhalt, Abschreibung und Verzinsung der Anlagen, rechnen. Die fixen Kosten entfallen vor allem auf die sogenannten Erzeugungskosten, die sich in Anlagebetrieben zwischen Beschaffungs- und Absatzkosten einschieben. Die Grösse der fixen Kosten und die Unmöglichkeit ihres Abbaus in verhältnismässig kurzer Zeit zwingt die Anlagebetriebe, zum Beispiel Industriebetriebe, sich mit allen Mitteln um die dauernde Beschäftigung ihrer Anlagen zu bemühen, damit sich die fixen Kosten auf eine möglichst grosse Menge hergestellter Leistungen verteilen. Wirtschaftliche Betriebsführung verlangt im Anlagebetrieb möglichst volle Ausnützung der Anlagen, das heisst Schaffung eines günstigen Verhältnisses zwischen festen Kosten und Beschäftigungsgrad.


Ähnliche Artikel