Reingewinn - Betriebswirtschaft24.com

Reingewinn

Ein Reingewinn äussert sich darin, dass das Eigenkapital am Schlusse des Jahres grösser ist als zu Beginn des Jahres. Umgekehrt bewirkt ein Reinverlust, dass das Eigenkapital am Jahresende kleiner ist als zu Beginn des Jahres. Reinverlust bewirkt eine Abnahme des Überschusses des Vermögens über das Fremdkapital, also eine Abnahme des Eigenkapitals; Reinverlust vermindert daher die Sicherheit für die Gläubiger und damit zwangsläufig auch die Kreditwürdigkeit der Unternehmung. Fortgesetzte Verluste zehren den im Eigenkapital zum Ausdruck kommenden Überschuss der Aktiven über das Fremdkapital auf, und wenn sie grösseres Ausmass annehmen und längere Zeit andauern, führen sie zur Überschuldung: das durch Verluste verminderte Vermögen reicht nicht mehr aus zur Deckung, zur Bezahlung der bestehenden Schulden, so dass die Gläubiger zu Verlust kommen.

Die Gefahr der Überschuldung und damit die Verlustgefahr für die Gläubiger ist umso kleiner, je mehr Eigenkapital im Verhältnis zum Fremdkapital vorhanden ist; denn je grösser der Überschuss des Vermögens über die Schulden ist, desto länger dauert es, bis dieser Überschuss, das Eigenkapital, durch die Verluste aufgezehrt wird. Damit ist aber auch schon gesagt, dass die Sicherheit für die Gläubiger und somit auch die Kreditwürdigkeit der Unternehmung nicht nur vom Verhältnis zwischen Eigenkapital und Fremdkapital abhängt, sondern in noch stärkerem Masse von der Ertragsfähigkeit der Unternehmung beeinflusst wird. Eine Verminderung des Eigenkapitals ist nur auf zwei Arten möglich: durch Rückzahlung und durch Verluste. Wo eine Rückzahlung von Eigenkapital ohne Zustimmung der Gläubiger möglich ist, haben die Geldgeber für die durch die Herabsetzung des Eigenkapitals verursachte Verminderung ihrer Sicherheit einen Ersatz in der persönlichen Haftung der Eigentümer der Unternehmung; und wo die Gläubiger ausschliesslich auf das Geschäftsvermögen angewiesen sind und die Geschäftsinhaber nicht persönlich für die Geschäftsschulden belangen können, verbietet das Gesetz eine Rückzahlung von Eigenkapital ohne vorhergehende Sicherung der Gläubiger.

Eine Gefahr für die Sicherheit der Gläubiger besteht somit fast ausschliesslich in der Verminderung des Eigenkapitals durch Verluste. Bei einer ertragsfähigen Unternehmung ist die Sicherheit für die Gläubiger auch bei einem verhältnismässig scheidenen Eigenkapital gewährleistet, während bei einer fortwährend mit Verlusten arbeitenden Unternehmung selbst bei einem relativ hohen Eigenkapital der Zeitpunkt kommt, wo durch andauernde Verluste nicht nur das gesamte Eigen-kapital aufgebraucht ist, sondern das verbleibende Vermögen nicht mehr für die Bezahlung der Schulden ausreicht. Die Kreditwürdigkeit ist von der Ertragsfähigkeit der Unternehmung in noch stärkerem Masse abhängig als vom Verhältnis zwischen eigenen und fremden Mitteln. Für die Beurteilung der Kreditwürdigkeit sollte aus diesem Grunde mehr auf die Erfolgsrechnung als auf die Bilanz abgestellt werden. Wenn man trotzdem bei der Krediterteilung sich besonders auf die Bilanz, also auf das Verhältnis zwischen Eigenkapital und Fremdkapital stützt, so geschieht dies, weil die zukünftige Ertragsfähigkeit nur sehr schwer abzuschätzen ist. Je günstiger die Ertragsfähigkeit beurteilt wird, desto eher wird man auch bei einem kleinen Eigenkapital zur Kreditgewährung bereit sein; je weniger man auf die Ertragsfähigkeit abstellt, desto mehr wird der Geldgeber den zu gewährenden Kredit nach dem Verhältnis zwischen Eigenkapital und Fremdkapital bemessen.