Merkmale des Anlagevermögen

Ein besonderes Merkmal der Anlagen ist die Illiquidität. Während beim Umlaufsvermögen die Rückverwandlung in bares Geld nach verhältnismässig kurzer Zeit die Regel ist, bleibt das in den Anlagen investierte Kapital auf lange Zeit hinaus festgelegt. Eine vorzeitige Rückverwandlung des Anlagevermögens in Barmittel ist in der Regel nicht oder nur unter grossen Verlusten möglich.

Das Anlagevermögen ist, von Grundstücken abgesehen, der Entwertung unterworfen. Die Wertverminderung der Anlagen kommt in den Abschreibungen zum Ausdruck. Durch die Berücksichtigung der Abschreibungen in der Selbstkostenkalkulation geht der Wert, um den sich die Anlagen vermindern, in die zu verkaufenden Güter oder Dienstleistungen über. In dem Maße, als die Wertverminderung der Anlagen dem Preis der zu verkaufenden Waren zugeschlagen wird und die Waren zum kalkulierten Preise verkauft werden können, verwandelt sich das Anlagevermögen in Umlaufsvermögen. Im normalen Betriebsverlauf wird also Anlagevermögen nach und nach abgetragen und in Umlaufsvermögen verwandelt.

Die unerlässlichen Abschreibungen auf den Anlagen und die Verzinsung des in den Anlagen investierten Kapitals verursachen feste, vom Umsatz unabhängige Kosten. Die Anlagen werden nicht nur durch den Gebrauch entwertet. Technische Überholung, Änderungen in der Produktionsweise, mangelnde Absatzfähigkeit der Produkte und andere ausserbetriebliche Faktoren bewirken eine Entwertung der Anlagen. Die Abschreibung der Anlagen hat aus diesem Grunde nicht nach Massgabe der Beanspruchung, sondern nach der voraussichtlichen Verwendungsfrist zu erfolgen. Wenn bei starker Einschränkung oder gar Stillegung des Betriebes nicht mehr die Möglichkeit besteht, die Abschreibungen in die Verkaufspreise einzukalkulieren, bilden sie einen Verlust und vermindern das Eigenkapital. In diesem Falle steht der Verminderung des Anlagevermögens nicht eine Vermehrung des Umlaufsvermögens, sondern eine Verminderung des Eigenkapitals gegenüber. Im Gegensatz zu den reinen Umsatzbetrieben, die in Zeiten schlechten Geschäftsganges die Kosten auf ein Minimum herabsetzen und sie damit weitgehend dem verringerten Umsatz anpassen können, müssen aus-gesprochene Anlagebetriebe auch bei stark vermindertem Umsatz infolge der unerlässlichen Abschreibungen und Kapitalverzinsungen mit hohen Kosten rechnen. Anlagebetriebe sind in stärkerem Masse krisenempfindlicher als Umsatzbetriebe, weil sie weniger in der Lage sind, bei verkleinertem Umsatz die Kosten zu ermässigen.