Merkmale der Unternehmensformen

Durch welche Merkmale unterscheiden sich die verschiedenen Unternehmensformen?

Die wesentlichsten Merkmale, durch die sich die Unternehmensformen voneinander unterscheiden, sind:

1) Die besondere Zweckbestimmung. Das Obligationenrecht unterscheidet streng zwischen den Handelsgesellschaften und der Genossenschaft. Die erwerbswirtschaftlichen, auf Gewinn gerichteten Unternehmungen dürfen nur eine für Handelsgesellschaften vorgesehene Unternehmungsform wählen, während die genossenschaftliche Unternehmungsform den Selbsthilfe-Organisationen vorbehalten ist. Aber auch die als Handelsgesellschaften bezeichneten Unternehmensformen stehen erwerbswirtschaftlichen Unternehmungen nicht bedingungslos zur Verfügung. So kommen für die Kollektivgesellschaft und als unbeschränkt haftende Gesellschafter der Kommanditgesellschaft nur natürliche Personen in Frage. Die AG und die GmbH kommen nur für solche Unternehmungen in Betracht, die den gesetzlichen Anforderungen in Bezug auf das Mindestkapital entsprechen.

2) Die Haftungsverhältnisse. Zwischen den beiden extremen Lösungen der unbeschränkten persönlichen Haftung (Einzelunternehmung und Kollektivgesellschaft) und der Beschränkung der Haftung auf die Kapitaleinlage unter Ausschluss jeder persönlichen Haftung (AG) gibt es Unternehmensformen, die eine Zwischenlösung zulassen (GmbH und Genossenschaft) oder eine Kombination in dem Sinne vorsehen, dass die Gesellschafter ungleich haften (Kommanditgesellschaft und Kommandit-AG). Die gesetzlichen Bestimmungen über die Haftungsverhältnisse sind mit Rücksicht auf die Gläubiger und die Mitbeteiligten grösstenteils zwingender Natur; sie können also nicht durch anders lautende Vertragsbestimmungen ersetzt werden.

3) Die Ausübung der Unternehmerfunktionen und die Eigenkapitalbeschaffung. Bei den sogenannten Personengesellschaften, deren typischer Vertreter die Kollektivgesellschaft ist, steht die Ausübung der Unternehmerfunktionen, vor allem die persönliche Mitwirkung der Gesellschafter bei der Geschäftsführung und Vertretung der Gesellschaft nach ausen, im Vordergrund. Im Verhältnis zwischen Gesellschafter und Gesellschaft ist bei den Personengesellschaften die Eigenschaft als Unternehmerpersönlichkeit für das Gedeihen der Unternehmung von grösserer Bedeutung als die Kapitalbeteiligung. Bei den Kapitalgesellschaften, zu denen besonders die Aktiengesellschaft gehört, beschränkt sich die Mitwirkung der Gesellschafter fast ausschliesslich auf die Kapitaleinlage, auf die Beschaffung des Eigenkapitals. Im Verhältnis der Gesellschafter zur Gesellschaft steht die Kapitalbeteiligung und nicht die Ausübung von Unternehmerfunktionen im Vordergrund. Die Ausübung der wichtigsten Unternehmerfunktionen, Geschäftsführung und Vertretung der Gesellschaft, ist einem oder einigen wenigen Gesellschaftern vorbehalten. Neben den typischen Formen der Personengesellschaften und Kapitalgesellschaften, die durch die Kollektivgesellschaft und die Aktiengesellschaft verkörpert werden, gibt es auch Mischformen, bei denen die beiden Elemente der Ausübung der Unternehmerfunktionen und der Kapitalbeteiligung gleich stark oder fast gleichwertig vertreten sind. Weil das Gesetz den Gesellschaftern in der Regelung der Frage der Ausübung der Unternehmerfunktionen und der Aufbringung des Eigenkapitals grosse Freiheit lässt, kann zum Beispiel eine GmbH je nach Bedarf zur ausgesprochenen Personengesellschaft oder zur typischen Kapitalgesellschaft ausgestaltet werden.


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