Freiwilligen Ketten - Betriebswirtschaft24.com

Freiwilligen Ketten

Welche Bedeutung haben die „freiwilligen Ketten“?

Obwohl man von „freiwilligen Ketten im Einzelhandel“ spricht, handelt es sich nicht um eine von den Detaillisten, sondern allein vom Lebensmittelgrosshandel nach amerikanischen Beispielen ins Leben gerufene und kontrollierte Institution mit dem Ziel, die sowohl von der Detaillisten- wie von der Produzentenseite her drohende Ausschaltungsgefahr abzuwenden. Die Einkaufsgenossenschaften und Filialgrossunternehmen des Lebensmitteleinzelhandels streben nach Direkteinkauf, und auf der Produzentenseite sind es vor allem die Erzeuger von Markenartikeln (Lebensmittel und andere Waren des täglichen Bedarfs), die mit zunehmender Direktbelieferung der Detaillisten auf die Dienste des Grosshandels zu verzichten suchen.

Im wesentlichen besteht das System der „freiwilligen Ketten“ darin, dass ein Grosshändler eine Gruppe von Detaillisten durch Gewährung von Preisvergünstigungen und anderen Vorteilen dazu bewegt, den Grossteil ihres Warenbedarfs bei ihm zu decken. Durch die progressiv mit dem Einkaufsumsatz wachsenden Preisvorteile wird der Detaillist veranlasst, seine Bestellungen bei einem Grosshändler zu konzentrieren. Damit wird der Grossist in die Lage versetzt, seine Groshandelstätigkeit derart zu rationalisieren, dass eine erhebliche Kostensenkung möglich wird, die er teilweise in der Form der bereits erwähnten, nach Bezugsmengen abgestuften Preisermäßigung dem Detaillisten zukommen lassen kann. Ursprünglich bildeten sich Gruppen, die aus nur einem Großhändler und mehreren Detaillisten bestanden. Das Nebeneinanderwirken verschiedener Gruppen eines Landes, die infolge der Unterschiedlichkeit ihrer Einzugsgebiete nicht in unmittelbarer Konkurrenz standen, führte dazu, dass sich mehrere Grosshändler mit ihren Gruppen zu einer „freiwilligen Kette“ zusammenschlossen.

In der ersten Entwicklungsphase einer „freiwilligen Kette“ sucht ein Grosshändler möglichst viele Detaillisten seines Einzugsgebietes in der erwähnten Art zusammenzufassen. Nachdem er sich aus der Erfahrung heraus ein Urteil über die Einkaufskapazität und die Ausbaufähigkeit der Geschäfte seiner Kunden gebildet hat, leitet er die zweite, für die Rationalisierung und die Erhöhung der Produktivität seines Grosshandelsunternehmens entscheidende Phase ein: er schaltet die nicht entwicklungsfähigen Kleinbezüger aus und beschränkt sich auf die umsatzmässig interessanten Kunden. Er betreut weniger, aber bessere Kunden, kommt mit entsprechend weniger Vertretern aus und erreicht bei niedrigeren Kosten eine wesentliche Steigerung des Umsatzes je Kunde und Jahr. Erst auf dieser Rationalisierungsstufe ist die Kostensenkung gross genug, um die Kette für den Grossisten und für den Detaillisten interessant zu gestalten. Damit ist aber auch schon gesagt, dass eine „freiwillige Kette“ nur dem Detailgeschäft helfen kann und helfen will, bei dem die persönlichen und sachlichen Voraussetzungen einer Rationalisierung und Erweiterung des Betriebes gegeben sind. Vor allem muss der Detaillist auch gewillt sein, sich den Geschäftsmethoden der Kette einzufügen. Die dritte Entwicklungsstufe führt zum Zusammenschluss „freiwilliger Ketten“ verschiedener Länder zu internationalen Organisationen.

Hauptziel der internationalen Ketten ist die Durchsetzung rationeller Vertriebsmethoden durch beschleunigte Modernisierung (= Rationalisierung) sowohl der Grosshandelshäuser als auch der Verkaufsstellen des Einzelhandels (Vergrösserung der Ladengeschäfte und Übergang zur Selbstbedienung). Erfahrungsaustausch auf internationalem Gebiet soll auch die Schulung und Weiterbildung der Grossisten und Detaillisten erleichtern. Als die zuverlässigste Zukunftssicherung wird die Förderung einer preisgerechten Qualitätsleistung angestrebt.