Finanzierung mit Fremdkapital - Betriebswirtschaft24.com

Finanzierung mit Fremdkapital

Wie erfolgt die Finanzierung mit Fremdkapital?

1. Kurzfristiges Fremdkapital wird vor allem in den beiden Formen des Lieferantenkredites und des Bankkredites beansprucht.

a) Lieferantenkredit ist in der Regel der teuerste Kredit. Lauten die Zahlungsbedingungen „Ziel 3 Monate netto oder 30 Tage mit 2 % Skonto“, so bezahlt der Käufer die Beanspruchung eines um zwei Monate längeren Ziels mit dem Verzicht auf die 2 % Skonto. 2 % für zwei Monate entsprechen aber einem Jahreszins von 12 %. Lieferantenkredit wird trotz seiner Kostspieligkeit sehr häufig beansprucht, weil er leichter erhältlich ist als anderes Fremdkapital. Die Leichtigkeit der Beschaffung kurzfristigen Fremdkapitals in der Form des Lieferantenkredits ergibt sich aus der Tatsache, dass die Lieferanten unter dem Druck der Konkurrenzverhältnisse meistens zur Kreditgewährung gezwungen sind. Zudem verteilt sich der Passivposten „Kreditoren“ auf eine größere Anzahl von Gläubigern, so dass jeder einzelne Gläubiger mit einem verhältnismäßig kleinen Kreditbetrag am Gesamtposten beteiligt ist.

b) Bankkredit, der als Kontokorrentkredit oder als fester Vorschuss gewährt wird. Der Kontokorrentkredit ist ein unbefristeter Kredit, der durch Kündigung fällig wird. Wenn im Vertrage nichts anderes vereinbart ist, gilt die gesetzliche Kündigungsfrist von sechs Wochen. Kontokorrentkredite werden als Blankokredite oder als gedeckte Kredite gewährt. Die Deckung erfolgt in der Regel durch Pfandbestellung; Sicherung durch Bürgschaft ist im kaufmännischen Verkehr seltener. Im Rahmen des bewilligten Maximalbetrages wird der Kredit je nach Kapitalbedarf verschieden stark beansprucht. Der Kreditsaldo unterliegt dauernden Veränderungen, weil normalerweise der gesamte Bankzahlungsverkehr des kreditnehmenden Kunden über das Kontokorrentkonto abgewickelt wird und deswegen Einzahlungen und Abhebungen laufend Gutschriften und Belastungen in grosser Zahl bewirken. Seltener sind feste Vorschüsse, die auf bestimmte Zeit, drei bis sechs Monate, mit der Möglichkeit wiederholter Verlängerung gewährt werden. Auch diese Darlehen in festen Beträgen werden als gedeckte oder ungedeckte Kredite gewährt.

2. Langfristiges Fremdkapital: Die bekanntesten Formen sind die Hypothekarkredite und die Obligationenanleihen.

a) Hypothekarkredit kommt nur für solche Unternehmungen in Frage, die über Liegenschaftenbesitz verfügen; das sind in der Regel die sogenannten Anlagebetriebe, vor altem Industrieunternehmungen. Diese Kredite sind mit Rücksicht auf die Sicherheit billig.

b) Obligationenanleihen eignen sich ihrer Natur nach nur für die Beschaffung langfristigen Fremdkapitals in sehr großen Beträgen. Sie haben eine entsprechend gesicherte Finanzierungsbasis in der Form eines namhaften Eigenkapitals zur Voraussetzung, sind also Großunternehmungen vorbehalten.

In Zeiten normalen Geschäftsganges wird fast regelmässig Fremdkapital, das formell kurzfristig ist, langfristig beansprucht. Das gilt vor allem für Bankkredite, die nicht auf bestimmte Dauer, sondern auf Kündigung gewährt werden. Im normalen Geschäftsverlauf werden solche Kredite nicht gekündigt und stehen deswegen praktisch langfristig zur Verfügung. Aus diesem Grunde benützt man solche Kredite nicht selten sogar zur Anlagefinanzierung (u. a. für die Anschaffung von Maschinen). Solange das Unternehmen normal arbeitet, ist die langfristige Verwendung von formell kurzfristigen Krediten ungefährlich. Kritisch wird eine solche Finanzierungsweise aber dann, wenn in Zeiten rückläufiger Konjunktur die Geldgeber wegen des schrumpfenden Geschäftsvolumens und der abnehmenden Ertragsfähigkeit des Unternehmens ihre Kredite durch Kündigung abzubauen versuchen, um das Risiko der verminderten Sicherheit anzupassen. Weil die Umwandlung des in Warenlagern und Außenständen festgelegten Vermögens in Barmittel sich mehr und mehr verlangsamt und zeitweilig sogar fast zum Stillstand kommt, ist eine Rückzahlung der nun nicht mehr nur formell, sondern auch praktisch kurzfristigen Kredite nicht oder nur teilweise möglich; der Unternehmung werden fremde Mittel in einem Zeitpunkte entzogen, wo die Rückzahlung den größten Schwierigkeiten begegnet. Die nachteiligen Folgen des Konjunkturrückganges, die sich nicht nur im Umsatz- und Ertragsschwund, sondern auch in der Verschlechterung der Liquidität zeigen, werden durch den brüsken Rückzug der fremden Mittel noch verstärkt, weil fremde Gelder, die im normalen Betriebsverlauf nicht gekündigt worden wären, unter dem Einfluss des Konjunkturrückganges durch Kündigung fällig gemacht werden.