Finanzierung mit Eigenkapital

Wie erfolgt die Finanzierung mit Eigenkapital?

Das Eigenkapital einer Unternehmung kann gebildet werden durch:

  • 1) Die Einlagen des Geschäftsinhabers bzw. der Gesellschafter. In dieser Form wird der Unternehmung das Eigenkapital bei der Gründung zur Verfügung gestellt. Auch für die Erhöhung des Eigenkapitals im Falle einer Geschäftserweiterung behilft man sich dieser Form, wenn die unter 2. erwähnte Bildung von Eigenkapital aus den Erträgen der Unternehmung nicht möglich ist oder nicht ausreicht. Der oder die Eigentümer der Unternehmung erhöhen ihre Kapitaleinlage, indem sie neue Einzahlungen aus ihrem Privatvermögen leisten. Wenn eine Erhöhung des Eigenkapitals durch neue Einlagen der bisherigen Eigentümer der Unternehmung nicht möglich ist, so beschafft man neues Eigenkapital durch Aufnahme weiterer Teilhaber. Diese Art der Eigenkapitalbeschaffung führt häufig zu Änderungen der Rechtsform der Unternehmung, indem eine Einzelunternehmung in eine Gesellschaftsunternehmung oder eine Personengesellschaft in eine Kapitalgesellschaft umgewandelt wird.
  • 2) Die Erträge der Unternehmung. Die von der Unternehmung erzielten Gewinne bilden — soweit sie nicht an die Geschäftsinhaber verteilt werden — neues Eigenkapital. Die Bildung von zusätzlichem Eigenkapital aus den Erträgen der Unternehmung bezeichnet man als Selbstfinanzierung. Die Selbstfinanzierung kann in zwei Formen erfolgen:
    • durch offene, bilanzmässig ausgewiesene Zuweisung von Teilen des Reingewinns an das Eigenkapital. Bei der Einzelunternehmung wird der Teil des Reingewinns, der nicht in Form von Privatbezügen im Laufe des Jahres dem Unternehmen entzogen wird, als Kapitalzuwachs unmittelbar dem Kapital zugeschlagen. Bei der Aktiengesellschaft, der GmbH und der Genossenschaft müssen schon von Gesetzes wegen Teile des ausgewiesenen Reingewinnes zur Bildung von zusätzlichem Eigenkapital verwendet werden; im Gegensatz zu den übrigen Unternehmungsformen wird aber hier das aus den Erträgen gebildete Eigenkapital nicht unmittelbar dem bestehenden Eigenkapital zugeschlagen, sondern von besonderen, zur Gruppe des Eigenkapitals gehörenden Reservekonten erfasst. Bei den Kapitalgesellschaften und Genossenschaften wird somit das Eigenkapital nicht in einem einzigen Bilanzposten ausgewiesen, sondern aufgeteilt in mehrere Posten: auf dem Kapitalkonto das ursprüngliche, durch Einlagen gebildete Eigenkapital (Grundkapital, Stammkapital), auf den Reservekonten das aus den Erträgen gebildete Eigenkapital (gesetzliche und statutarische Reserven) und auf dem Verlust- und Gewinnkonto der Gewinnvortrag, der sich ergibt, weil Gewinnauszahlungen und Zuweisungen an die Reserven in runden Beträgen vorgenommen werden.
    • durch versteckte, bilanzmässig nicht ausgewiesene Bildung von Eigenkapital aus Teilen des Reingewinnes, das heisst durch Schaffung stiller Reserven. Stille Reserven sind die Teile des wirklich erzielten Reingewinns, die durch Unterbewertung von Aktiven oder Oberbewertung von Passiven versteckt und damit im Unternehmen zurückbehalten werden.

Die Kapitalbildung aus den Erträgen ermöglicht es, das Eigenkapital im Verhältnis zur Ausdehnung des Geschäftsbetriebes und dem damit gesteigerten Kapitalbedarf ohne neue Einzahlungen langsam zu erhöhen, so dass auch bei zunehmendem Fremdkapital ein normales Verhältnis zwischen eigenen und fremden Mitteln beibehalten werden kann.

Besondere Bedeutung kommt dem durch stille Reserven gebildeten Eigenkapital zu, vor allem bei den Kapitalgesellschaften und Genossenschaften. Über das im Gesetz und in den Statuten vorgesehene Maß hinaus lässt sich zusätzliches Eigenkapital in der Form von offenen Reserven nur mit Zustimmung der Generalversammlung bilden; aus diesem Grunde begegnet die offene Form der Selbstfinanzierung trotz ihrer Wünschbarkeit oft Schwierigkeiten (Reservenbedürfnis der Unternehmung im Gegensatz zum Dividendeninteresse der Aktionäre). Nicht nur in der Schaffung, auch in der Verwendung offener Reserven ist die Unternehmungsleitung behindert; gesetzliche Reserven dürfen nur zur Deckung von Bilanzverlusten und statutarische Reserven oft nur für ganz bestimmte, in den Statuten vorgesehene Zwecke verwendet werden. Im Gegensatz dazu kann die Bildung zusätzlichen Eigenkapitals in Form stiller Reserven unauffälliger erfolgen, und in der Verwendung ist man in keiner Weise eingeschränkt, weil sich stille Reserven im Bedarfsfall jederzeit wieder in Gewinn zurückverwandeln lassen. — Auch wenn sie auf das zulässige Mass beschränkt bleiben, bringen stille Reserven bei allen Unternehmungsformen steuerpolitische Vorteile mit sich, die sich aus der Nivellierung der Erträge der einzelnen Geschäftsjahre ergeben. (Bildung stiller Reserven in ertragreichen Jahren und vollständige oder teilweise Auflösung in ertragsarmen Jahren).


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