Exportfinanzierung / Exportrisikogarantie - Betriebswirtschaft24.com

Exportfinanzierung / Exportrisikogarantie

Welche Bedeutung haben die Exportfinanzierung und die Exportrisikogarantie?

Gemeinsam ist allen Exportindustrien, dass sie einen harten Konkurrenzkampf in Bezug auf Qualität, Preis, Lieferzeit und Kreditgewährung zu bestehen haben. Jede dieser Voraussetzungen wirkt sich auf die Einbringung von Exportaufträgen aus, wenn auch — je nach Industriezweig — mit unterschiedlicher Intensität. Schon in der Frage der Qualität und Lieferzeit sind die Konkurrenzbedingungen für die Investitionsgüterindustrie infolge der Notwendigkeit der Gewährung sehr weitgehender Leistungs- und Lieferungsgarantien härter und riskanter als für die Konsumgüterindustrie. Am ungünstigsten haben sich indessen für die Investitionsgüterindustrien die Konkurrenzverhältnisse auf dem Gebiete der Zahlungsbedingungen gestaltet. Die Gewährung längerfristiger Lieferungskredite ist heute nicht mehr nur eine Erleichterung, sondern in zunehmendem Masse eine unerlässliche Voraussetzung für die Hereinbringung von Exportaufträgen. Aus dieser Entwicklung heraus drängte sich die Frage einer zweckmäßigen Lösung des Doppelproblems der Exportfinanzierung und der Exportrisikogarantie auf. Es handelt sich darum, der Investitionsgüterindustrie

1. auf privater Grundlage die für die langfristige Kreditgewährung erforderlichen Mittel in genügendem Umfange und auf die zweckmäßigste Art zu verschaffen und

2. mit staatlicher Hilfe die nicht versicherbaren Risiken, die sich aus der Investition dieser Mittel in langfristigen Auslandkrediten ergeben, in dem Umfange abzunehmen, als sie von der Industrie nicht selber getragen werden können.

1. Die Exportfinanzierung. Unter dem Einfluss der Angebotskonkurrenz fällt es den kapitalarmen überseeischen Abnehmern leichter, ihre Entwicklungsprojekte mit Hilfe mittelfristiger Lieferantenkredite als aus langfristigen Mitteln über den Kapitalmarkt zu finanzieren. In Konkurrenz mit den sehr leistungsfähigen Industrien anderer Länder, die dank der grosszügigen Unterstützung staatlich geförderter Exportfinanzierungsinstitute weitgehende Krediterleichterungen gewähren können, muss auch die schweizerische Exportindustrie Mittel und Wege für die Lösung des Problems der langfristigen Exportfinanzierung suchen. Die bisher praktizierten Finanzierungsmethoden genügen den gesteigerten Ansprüchen nicht mehr. Die Exportindustrie ist nicht in der Lage, grosse Mittel in langfristigen Außenständen zu investieren, und aus Liquiditätsgründen können sich unsere Handelsbanken nur mit grösster Zurückhaltung auf die Finanzierung solch langfristiger Lieferungskredite einlassen. Aus Industriekreisen wird deswegen die Gründung eines Exportfinanzierungsinstitutes angeregt, das die zur Exportfinanzierung erforderlichen Mittel auf eine zweckmässigere Art zu beschaffen vermöchte, als dies etwa durch Industrieanleihen möglich wäre. Damit würde die Finanzkraft unseres Landes wirksamer in den Dienst der Exportförderung gestellt als mit Auslandanleihen.

2. Die Exportrisikogarantie. Aus der langfristigen Kreditierung an Überseekunden erwachsen neben dem normalen kommerziellen Kreditrisiko, wie es auch in jedem Inlandgeschäft auftritt, politische und wirtschaftspolitische Risiken, die den Eingang der kreditierten Beträge auch dann gefährden können, wenn die Bonität des individuellen Schuldners über jeden Zweifel erhaben ist. Die sogenannten politischen Risiken, die darin bestehen, dass der Exporteur infolge wirtschafts- oder währungspolitischer Massnahmen des Schuldnerlandes zu Schaden kommen, kann, sind im Rahmen privatwirtschaftlicher Organisationen überhaupt nicht versicherbar, und die Industrie wäre nicht in der Lage, neben dem rein kommerziellen auch noch die politischen Risiken zu tragen.

Garantien für Lieferungen an öffentlich-rechtliche Abnehmer oder für Lieferungen, für die ein öffentlich-rechtlicher Garant bürgt, werden nur einschliesslich der Deckung des Delkredererisikos gewährt. Nicht gedeckt sind die kommerziellen Verluste; das sind Verluste aus der Zahlungsunfähigkeit privater Besteller (das sog. Kundenrisiko) und Verluste, die durch mangelhafte Beschaffenheit der gelieferten Erzeugnisse, durch ihre Beschädigung oder ihr Abhandenkommen oder durch Versäumnis der vereinbarten Lieferfristen entstehen.