Drei-Phasen-Modell der Organisationsentwicklung nach Kurt Lewin

Das aus den Sozialwissenschaften stammende „Drei Phasen Modell“ nach Kurt Lewin – auch als model of change bekannt – beschreibt die allgemeine Struktur von gesellschaftlich – sozialen Veränderungen. Veröffentlicht wurde es von dem Psychologen, der als Vorreiter der Sozialpsychologie sowie der Feldtheorie in den Sozialwissenschaften gilt, bereits 1947 unter dem Titel „Gleichgewichte und Veränderungen in der Gruppendynamik“ (engl.: Frontiers in group dynamics. In: Human Relations 1). Die Veröffentlichung ist im Kontext der kulturellen Veränderungen in Deutschland nach dem Zweiten Weltkrieg sowie Lewins Studien zur Lösung sozialer Konflikte zu sehen.

Wie der Name des Modells schon vermuten lässt, nennt Kurt Lewin drei Phasen, nach denen sich Veränderungen in der Gesellschaft entwickeln:

Als erste Phase wird das Auftauen bzw. Auflockern (engl.: unfreezing) beschrieben. Hierbei erfolgt eine Vorbereitung auf Veränderungen sowie die Analyse, Informationsbeschaffung und vorbereitende Diskussion. In dieser Planungsphase steht das alte System unter Beobachtung. Eine allgemeine Veränderungsbereitschaft soll erzeugt werden, wodurch erst die Strukturen derart aufgelockert werden, sodass Veränderungsprozesse in der folgenden Phase in Kraft treten können.

In der zweiten Phase, der Bewegung (engl.: movement) werden die Ergebnisse der ersten Phase von den direkt Verantwortlichen konkret umgesetzt; erst jetzt erfolgen sozusagen die tatsächlichen Veränderungen. Das Handeln steht hierbei im Vordergrund. Neue Strukturen werden etabliert, wobei dies Zeit beansprucht. Besonders in dieser Phase können Verzögerungen und Probleme durch Verweigerer der Veränderungen auftreten, welche für ein erfolgreiches Eintreten in die nächste Phase überzeugt werden müssen bzw. wodurch die Struktur angepasst werden muss. Sowohl treibende als auch die Prozesse der Veränderung hemmende Kräfte wirken besonders in dieser Phase.

Die dritte und letzte Phase der Verfestigung bzw. Neustabilisierung (engl.: Freezing) dient der Nachbearbeitung, Kontrolle und schließlich der Stabilisierung von durchgeführten Veränderungen hin zur Konstanz. Letzte Anpassungen und Problemlösungen werden durchgeführt. Zur erfolgreichen Umgewöhnung und Aufrechterhaltung ist die Überwachung und Kontrolle des Prozesses ein wichtiger Faktor. Die neu entstandene und etablierte Struktur bildet infolge die Grundlage für weitere Veränderungen – einen neuen Status quo.

Das Modell stellt also insgesamt einen Kreislauf dar, der das alte System in ein neues überführt, welches anschliessend dieselben Prozesse bzw. Phasen der Veränderung durchläuft. In allen drei Phasen spielt die eingeräumte Zeit für die Einpassung in die Veränderungsprozesse eine wesentliche Rolle. Konzipiert wurde das Modell ursprünglich für Veränderungen unter Einfluss einer Gruppendynamik.

Das Drei Phasen Modell nach Lewin ausserhalb der Sozialwissenschaften

Das Drei Phasen Modell von Kurt Lewin als allgemeines Modell der Veränderungsprozesse wird in verschiedenen Bereichen in leicht modifizierter und angepasster Form eingesetzt. So kann es die Grundlage für lerntheoretische Prozesserklärungen, Innovationsprozesse etc. bilden.

Unter dem englischen Begriff Change-Management (dt.: Veränderungsmanagement) ist das Modell auch in der Wirtschaft und im Unternehmensbereich sehr populär. Das bei Kurt Lewin allgemein auf soziale Veränderungen ausgerichtete Modell wird dabei auf notwendige Veränderungsprozesse in Unternehmen übertragen. Vor allem moderne Unternehmen sind auf diese Wandelprozesse, welche als Faktoren für den Erfolg eines Unternehmens gelten, ausgerichtet. Die Veränderungsprozesse können dabei aktiv motiviert sein oder passiv vonstattengehen. Anstösse zu Veränderungen kommen sowohl von innen als auch von aussen.

Literatur: Kurt Lewin (1947): Frontiers in group dynamics, In: Human Relations 1, S. 5-41.