Betriebskapazität / Beschäftigungsgrad - Betriebswirtschaft24.com

Betriebskapazität / Beschäftigungsgrad

Was versteht man unter der Betriebskapazität und dem Beschäftigungsgrad?

Art, Umfang und Zusammensetzung der Anlagen, die der Unternehmung zur Erstellung der von ihr zu verkaufenden Leistungen zur Verfügung stehen, bestimmen die technische Leistungsmöglichkeit des Betriebs. Die durch die verfügbaren Anlagen — Gebäude, Maschinen und andere Betriebseinrichtungen — gegebene technische Leistungsmöglichkeit bezeichnet man als Betriebskapazität.

Man misst die Kapazität entweder mit der Menge der Leistungen — Stückzahl, kg, m, hl usw. —, die mit den gegebenen Anlagen erstellt werden könnte (Einproduktbetrieb) oder mit der Zahl der direkten Arbeiterstunden bzw. Maschinenstunden einer Betriebsperiode, die mit den vorhandenen Anlagen technisch möglich sind (Mehrproduktebetrieb).

„Die Kapazität des Betriebes X beträgt 2’000 Geräte“ heisst, dass der Betrieb X dank seiner Anlagen über die technische Möglichkeit verfügt, 2’000 Geräte zu erstellen. Kapazität ist somit nur eine technische Möglichkeit, aber noch keine Leistung. Der Betrieb muss zunächst in den Zustand der Leistungsbereitschaft versetzt werden. Hiefür bedarf es der Rohstoffe und Hilfsstoffe sowie der Arbeitskräfte. Erst wenn durch eine organisierende Leitung dafür gesorgt wird, dass alle Voraussetzungen für die Aufnahme der Betriebsleistung gegeben sind, ist der Betrieb leistungsbereit, erst dann haben wir die Leistungsbereitschaft.

Mit dem vollendeten Zustand der Leistungsbereitschaft beginnt in der Regel die Leistungserstellung, das heißt die Beschäftigung des Betriebs. Bei voller Leistungsbereitschaft und voller Beschäftigung des Betriebs ist die Kapazität ganz ausgenützt. In diesem Falle entsprechen Bereitschaft und Beschäftigung der Kapazität; die technische Leistungsmöglichkeit ist ganz ausgenützt.

Mit Rücksicht auf die Marktlage begnügt man sich häufig mit einer der gegenwärtigen Beschäftigung angepassten, beschränkten Leistungsbereitschaft. Leistungsbereitschaft und Beschäftigung können bei gleichbleibender Kapazität verschieden groß sein. Man spricht deswegen von einem Bereitschaftsgrad und einem Beschäftigungsgrad

Bereitschaft und Beschäftigung werden wie die Kapazität mit der Leistungsmenge bzw. Arbeits- oder Maschinenstunde gemessen. Das Verhältnis zwischen Bereitschaft und Kapazität bezeichnet man als Bereitschaftsgrad, das Verhältnis zwischen Beschäftigung und Kapazität als Beschäftigungsgrad. Werden bei einer Kapazität von 2’000 Geräten eine Leistungsbereitschaft und eine Beschäftigung für 1’500 Geräte unterhalten, so sind Bereitschaftsgrad und Beschäftigungsgrad 75 % der Kapazität.

Bereitschaftsgrad und Beschäftigungsgrad können verschieden sein. Es ist denkbar, dass bei einer augenblicklich beschränkten Beschäftigung ein Zustand höchster Bereitschaft unterhalten wird im Hinblick auf den zu erwartenden großen Auftragseingang. Die für den gegenwärtigen Beschäftigungsgrad überdimensionierte Bereitschaft (u. a. grosse Rohstoff-und Hilfsstofflager) ermöglichen bei Bedarf die sofortige Umsetzung der durch die Bereitschaft gegebenen Beschäftigungsmöglichkeit in wirkliche Beschäftigung.

Bei ein und demselben Beschäftigungsgrad sind verschiedene Leistungsmengen möglich. Schwankungen der Arbeitsintensität von Arbeitern und Maschinen (Störungen) wie auch organisatorische Störungen können bei gleichbleibender Beschäftigung Unterschiede in der Leistungsmenge bewirken. Man spricht deswegen von einem Intensitätsgrad. Aus einer Beschäftigungseinheit (Arbeiterstunde, Maschinenstunde) kann eine größere oder kleinere Leistungsmenge resultieren als die Normalmenge. Es ist somit nicht richtig, die Beschäftigung mit der erzielten Leistungsmenge zu messen. Eine größere Leistungsmenge kann bei gleichbleibender Beschäftigung durch größere Intensität erzielt werden; eine Abnahme der Leistungsmenge braucht nicht die Folge geringerer Beschäftigung zu sein, sondern kann auf eine Verminderung der Intensität bei gleichgebliebenem Beschäftigungsgrad zurückzuführen sein. Weil die Menge der erstellten Leistungseinheiten nicht nur vom Beschäftigungsgrad, sondern auch von anderen Faktoren abhängig ist, u. a. von der Intensität, lasst sich nicht mit Zuverlässigkeit von der Leistungsmenge auf den Beschäftigungsgrad schließen. Zweckmäßiger ist es, die Beschäftigung mit Arbeiter- oder Maschinenstunden zu messen. Die Beschäftigung mit der Leistungsmenge zu messen ist ja an sich nur im Einproduktbetrieb möglich und nach dem Gesagten auch in diesem Fall nur dann zulässig, wenn ein konstanter Intensitätsgrad angenommen wird. Wenn wir im folgenden von dieser allerdings selten zutreffenden Annahme ausgehen und Kapazität, Bereitschaft und Beschäftigung in Leistungsmengen statt in Beschäftigungseinheiten messen, so geschieht dies, weil damit das Verhältnis zwischen Kosten, Ertrag und Beschäftigung bildhafter dargestellt werden kann.