Anleihens- oder Serienobligationen

Anleihens- oder Serienobligationen sind festverzinsliche, auf runde Beträge lautende Teilschuldverschreibungen einer größeren, meist langfristigen Gesamtschuld, die man als Anleihen bezeichnet. Die Obligation verkörpert ein Forderungsrecht gegenüber dem Anleihensschuldner; der Obligationär ist Gläubiger. Das Forderungsrecht umfaßt Kapitalrückzahlung und Verzinsung. Zur Vereinfachung des Zinsendienstes ist der Anspruch auf die in der Regel halbjährlich fällig werdenden Zinsen in einem selbständigen Wertpapier, dem Zinscoupon verkörpert. Eine Obligation besteht somit im wesentlichen aus zwei Teilen, dem als Mantel bezeichneten Obligationentitel und dem Couponbogen, der so viele Zinscoupons enthält, als notwendig sind, um bis zum Rückzahlungstermin die Halbjahreszinsen geltend machen zu können. Bei Obligationen mit sehr langer Laufzeit und unbestimmter Rückzahlung berechtigt ein besonderer Abschnitt, der Talon oder Erneuerungsschein, gelegentlich auch der als Stichcoupon bezeichnete letzte Zinscoupon, zum Bezüge eines neuen Couponbogens.

Als Anleihensschuldner kommen private Großunternehmen vor allem aber öffentlich-rechtliche Körperschaften, wie Bund, Kantone und Gemeinden, in Betracht. Das Anleihen ist entweder gesamthaft zu einem bestimmten Zeitpunkt, zum Beispiel nach 10 oder 15 Jahren zur Rückzahlung fällig, oder die Rückzahlung erfolgt durch allmähliche, auf eine Reihe von Jahren verteilte und nach einem festen Tilgungsplan vorgenommene Auslosung. In beiden Fällen ist es üblich geworden, daß sich der Schuldner das Recht der vorzeitigen Rückzahlung nach Ablauf einer bestimmten Anzahl Jahre vorbehält. Er sichert sich damit die Möglichkeit, im Falle einer für ihn günstigen Entwicklung des Kapitalmarktes das Anleihen durch ein neues, niedriger verzinsliches zu ersetzen (Konversion siehe S. 158).

Eine Obligation ist besonders in der Form des Inhaberpapiers ein leicht übertragbares, sehr umlaufsfähiges Wertpapier. Weil alle Obligationen eines bestimmten Anleihens gleichwertig sind und sich lediglich durch die Nummer voneinander unterscheiden lassen, besitzen diese Wertpapiere die Eigenschaft der Vertretbarkeit, der Fungibilität im höchsten Maße. Anleihensobligationen eignen sich deshalb vorzüglich für den Börsenhandel. Weil die Kotierung an der Börse eine Obligation trotz der langen Laufzeit zu einem sehr liquiden Papier macht und damit die Emission erleichtert, wird für die größeren Anleihen in der Regel um Zulassung zum Börsenhandel nachgesucht.